Grußwort des Fachlichen Leiters

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

der Erfolg der erneuerbaren Energien macht Flexibilität zum Gebot – denn wenn die Erzeugungsmengen zunehmend schwanken, müssen auch das Netz und die Abnehmer sich künftig stärker anpassen. Gleichzeitig haben es sowohl Wind- als auch Sonnenstromprojekte durch den aktuellen politischen Rahmen nicht leicht, während für erste Bestandsanlagen die Förderung ausläuft. Neue Geschäftsmodelle werden gesucht, um den Bestand am Netz zu halten, den Ausbau weiter voranzutreiben und so unsere Klimaziele noch erreichen zu können.
 

Unterdessen betreten neue Energieträger und Technologien die Bühne– die Wasserstoff-Strategie der Bundesregierung zeigt, dass der Gedanke an die Notwendigkeit der Sektorenkopplung in der Breite angekommen ist. Speicher haben sich im privaten Umfeld bereits für die Erhöhung des Eigenverbrauchs etabliert. Können Sie auch in größerem Maße die Stabilität der Netze sichern? Viele Fragen über die Anwendung in der Praxis bleiben offen – engagierte Akteure wie die Energieagentur NRW arbeiten daran, aus dem abstrakten Konzept der Sektorenkopplung reale Systeme zu bauen. Hier lohnt auch der Blick über die Grenzen und nach Brüssel, denn eine funktionierende Wasserstoffwirtschaft wird nicht in Deutschland allein entstehen.
 

Ein zentraler Baustein ist die zunehmende Digitalisierung, die ein Heben der Flexibilität bei vielen Stakeholdern erst möglich macht. In Februar 2020 startete das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik den Smart Meter Rollout – auf unserer Konferenz im Januar 2021 möchten wir eine Bestandsaufnahme machen: Was haben wir gelernt? Was funktioniert gut? Und welche Rolle spielen technologische Alternativen, falls sie einen Platz im Markt bekommen?
 

Auch das Auslaufen der 450-MHz-Frequenzen wird bis dahin Realität sein und wir werden wissen, ob und wie die Energiewirtschaft den Frequenzraum künftig nutzen kann. Erste Geschäftsmodelle etablieren sich bereits und die Unternehmen sammeln Erfahrungen. Die Sicherheit und die Zuverlässigkeit unserer Energieversorgung geht auch außerhalb der Energiewirtschaft alle Unternehmen und die öffentliche Infrastruktur etwas an. 
 

Es sind also keine trivialen Themen, denen wir uns in den kommenden Monaten stellen müssen. Es ist viel in Bewegung, die Flexibilität im Netz färbt auch auf die Akteure und die Institutionen ab. In dieser Situation geht es darum, auf Grundlage von Fakten die wichtigsten Maßnahmen zu priorisieren und einen Plan für die Energieversorgung zu erstellen, der die Versorgung auch in anspruchsvollen Szenarien wirksam sicherstellt.
 

Ich möchte Sie herzlich einladen, sich mit Ihrer Expertise an unserer Debatte zu beteiligen. Wir stehen vor großen Herausforderungen – lassen Sie uns gemeinsam Antworten finden!


Dr. Oliver Franz, innogy SE, Essen